
Mit Arne und Merle
Ein Hauptmann mit grauem Schnurrbart hält am 16. Oktober 1906 an der Militär-Schwimmanstalt Plötzensee ein paar Gardegrenadiere an und übernimmt sie „auf allerhöchsten Befehl“. Seine Uniform hat Wilhelm Voigt, Schuster aus Tilsit und fast 3 Jahrzehnte im Zuchthaus, Stück für Stück bei Trödlern zusammengekauft. Am Nachmittag steht er mit etwa 10 Soldaten im Rathaus von Köpenick vor Bürgermeister Georg Langerhans, der eine Legitimation verlangt.
Voigt rügt eine schiefe Koppel, und der Gefreite ist sicher: „Das ist ein echter.“ Am Bahnhof spendiert er jedem eine Mark für Bier und Bockwurst, aber nur eine Bockwurst, schließlich ist man im Dienst. Wochen zuvor hält seine Schwester Bertha Menz in Rixdorf einen Brief der Polizei gegen die Lampe: Ausweisung aus Berlin, als „lästiger Ausländer“. Nachts übt Voigt vor einem gesprungenen Spiegel das Brüllen. Im Rathaus lässt er das Postamt sperren, und der Rendant von Wiltberg zählt die Stadtkasse auf den Pfennig und besteht auf einer Quittung.
Eine Folge über einen Mann ohne Papiere, einen Rock vom Trödler und die Frage, warum Menschen einer Uniform gehorchen, auch wenn alles andere dagegen spricht.





