
Mit Arne und Merle
Im Hauptausschuss des Parlamentarischen Rats in Bonn beantragt Elisabeth Selbert am 3. Dezember 1948 einen Satz aus 5 Wörtern: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Die Juristin aus Kassel ist eine von 4 Frauen unter 65 Mitgliedern, die für ein zerstörtes Land eine Verfassung schreiben. Ein Abgeordneter fürchtet ein „Rechtschaos“, Helene Weber warnt vor Gleichmacherei, und nur Frieda Nadig steht an Selberts Seite.
Das Abitur hat Selbert mit 30 nachgeholt. Ihr Mann Adam nimmt ihr dafür den Abwasch ab, während sie nachts über dem Cicero sitzt, und die Nachbarin hält sie für krank. Nach der Niederlage reist sie in Zügen mit Pappe vor den Fenstern durch die Westzonen und spricht in ungeheizten Sälen vor Kriegerwitwen. Aus Kassel schreibt Adam, er habe gelernt, wie man Rotkohl macht. Und in Bonn schleift ein alter Hausmeister einen Wäschekorb voller Briefe über das Linoleum, darunter Sütterlin und Kinderschrift.
Eine Folge über einen Satz, der nach dem Krieg erst erkämpft werden muss, über die Frauen, die ihn mit der Hand nach Bonn schreiben, und über die Frage, ob 5 Wörter ein Land verändern können.






