
Mit Kornmann, Rosi, Detlef und Jule
Im Keller des Gemeindehauses verlässt der Hörspielkreis heute die Erde. Wilfried Kornmann, pensionierter Deutsch- und Lateinlehrer und Vorsitzender des Kreises, hat ein Kammerspiel im Weltall geschrieben: Kommandant Wittkowski, seit neunzig Tagen allein auf Sternenstation Ypsilon, und an Bord ein namenloser, schleimiger Schrecken aus der Tiefe des Alls.
Detlef Bruns, Gebrauchtwagenhändler und verkannter Charakterdarsteller, bekommt die Hauptrolle und würde dafür am liebsten einen Motorradhelm aus dem Autohaus aufsetzen. Jule, die als Einzige den Laptop bedienen kann, spricht widerwillig den Bordrechner Gertrud, benannt nach Kornmanns Tante. Und Rosi Kaminski, vierzig Jahre Fleischereifachverkäuferin, hat im Einkaufstrolley alles für die Zukunft dabei: den Föhn ihrer Schwägerin für das Summen der Station und über Nacht angesetzte Götterspeise, Sorte Waldmeister, für das Wesen.
Dann läuft die Aufnahme. Der Kommandant preist seine Station an wie einen Kombi mit drei Litern Verbrauch, dreihundert Lichtjahre von der Erde entfernt klingelt ein Handy, eine Datei namens Galaxie Lounge entpuppt sich als Tanzkurs, und das Schleimwesen ist im Kühlschrank fest geworden wie ein Radiergummi. Und irgendwo in den Rohren klopft es, obwohl das in keinem Skript steht.
Eine Folge von „Ruhe Aufnahme“ über große Kunst im kleinen Keller, über Rückmeldungen aus dem Seniorenheim und über die Frage, was ein einsamer Mensch sagt, wenn nach hundert Tagen endlich jemand anklopft.








