
Die mittlere von drei Glocken, seit fünfundsiebzig Jahren im Turm. Links hängt die Große, die sich für den Turm hält, rechts die Kleine, die sich für den Sommer hält. Und sie selbst hört schlecht. Berufskrankheit.
Die Stadt kennt sie nur als Geräusch: Klappern ist Markt, ein Motor, der alle fünfzig Meter hält, ist Müllabfuhr, Hupen ohne Wut ist Hochzeit. Einmal war es Fußball. Sie erzählt, dass ihr Schlagton womöglich gar nicht in ihr steckt, sondern erst im Ohr entsteht. Und sie erzählt von Herrn Haberkorn, dem Mesner, der seit vierzig Jahren die zweiundsechzig Stufen hinaufsteigt und die flache Hand auf ihre Flanke legt, weil er sie nur bis zur Mitte hört. Den Rest fühlt er.
Eine Folge über einen Ton, den man vielleicht gar nicht hat, über Silvester aus Sicht einer Glocke und über einen Mesner, der sich im Frühjahr neue Ohren machen lässt.





















