
Eine Federwaage im Bad, zwischen Heizkörper und Wäschekorb, belastbar bis hundertfünfzig Kilo. Sie ist die Einzige in der Wohnung, die jeden Morgen bei null anfängt. Die Zahl, die sie anzeigt, hat sie selbst noch nie gesehen.
Seit siebenundzwanzig Jahren gehört sie Frau Adamek. Die legt vorher die Ohrringe ab, lässt den Bademantel fallen, setzt den linken Fuß ganz vorsichtig auf, hält die Luft an und sagt danach zwei Wörter: Na gut. Die Ehrlichste im Haushalt ist Kalle, die Katze, vier Kilo einhundert, ohne Luftanhalten. Und die Waage verrät, dass sie eigentlich keine Kilo misst, sondern wie fest die Erde an jemandem zieht. Auf dem Mond würden aus sechzig Kilo zehn.
Eine Folge über Zahlen und Gefühle, über Silvesterbesuch, der behauptet, die Waage gehe falsch, und über den Unterschied zwischen dem, wie schwer jemand ist, und dem, wie schwer er es nimmt.





















